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Ratgeber: Welches Klavier fürs Kind? Teil 1

Ratgeber: Welches Klavier fürs Kind? Teil 1

 

Äußert das Kind den Wunsch, Klavier zu spielen, wird das die Eltern zunächst sicher freuen. Denn das Erlernen eines Musikinstruments fördert die Vernetzung der beiden Gehirnhälften, schult die Feinmotorik, trainiert die analytischen Fähigkeiten und unterstützt die Kreativität. Für das Klavier gilt das noch mehr als für andere Instrumente.

Doch andererseits wird sich vermutlich auch die Frage stellen, wie die Eltern ihrem Kind den Wunsch ermöglichen können. Ein Klavier ist schließlich nicht nur ein großes Instrument, das entsprechend Platz in Anspruch nimmt. Stattdessen ist ein Klavier auch nicht ganz billig. Eine Anschaffung will deshalb gut durchdacht sein.

In einem zweiteiligen Ratgeber versuchen wir, ein wenig Hilfestellung bei der Frage zu bieten, welches Klavier es fürs Kind werden soll.

 

Erst mal ausprobieren

Vielleicht haben die Eltern ihre musikalische Ader an das Kind vererbt. Möglicherweise spricht das Kind schon länger davon, dass es gerne Klavier spielen möchte. Genauso kann aber sein, dass der Wunsch ganz plötzlich aufgetaucht ist. So oder so sollten die Eltern ihr Kind ermutigen und nach einer Möglichkeit suchen, wie das Kind das Klavierspielen ein wenig ausprobieren kann.

Der Idealfall ist natürlich, wenn es im Haushalt bereits ein Klavier gibt. Ein älteres Instrument muss zwar vielleicht erst gestimmt, ein wenig aufgearbeitet oder mit passendem Zubehör ergänzt werden. Doch diese Investition wird meist nicht so groß sein wie eine Anschaffung.

Schön ist auch, wenn Verwandte oder Freunde ein Klavier haben und das Kind dort das Instrument kennenlernen kann. Andere Anlaufstellen können Musikgeschäfte und Musikschulen sein. Beide bieten oft an, dass sich das Kind mit dem Klavier vertraut machen und in Probestunden testen kann, ob ihm das Instrument überhaupt liegt.  

Entschließen sich die Eltern dazu, ein Klavier zu kaufen oder zu mieten, müssen sie damit rechnen, dass die anfängliche Begeisterung auch wieder abflacht. Vielleicht macht dem Kind das regelmäßige Üben keinen Spaß oder es entdeckt im Laufe der Zeit ein ganz anderes Hobby für sich. Steht das Klavier dann ungenutzt herum, ist es schade um das investierte Geld.

Für die Eltern heißt das, dass sie eine Lösung finden müssen, die zwei Aspekten gerecht wird. So gilt es einerseits, dem Kind zu ermöglichen, auf einem soliden Instrument zu lernen. Denn auf einem minderwertigen Klavier kann selbst der beste Pianist nicht vernünftig spielen. Andererseits muss der Wunsch des Kindes praktisch umsetzbar und bezahlbar bleiben. 

 

Ein akustisches oder ein digitales Klavier?

Auf der Suche nach einem Instrument werden die Eltern recht oft hören, dass das wahre, echte Klavier nur ein akustisches Klavier ist. Und an dieser Aussage ist durchaus etwas dran. Es gibt zwar digitale Klaviere mit einer sehr guten Klangqualität. Trotzdem lässt sich der Klang einer Saite, die von einem der Hämmerchen im Klavier angeschlagen wird, elektronisch nie zu 100 Prozent nachahmen.

Hinzu kommt, dass das Spielgefühl auf einem akustischen Klavier anders ist als auf einem E-Piano. Beim akustischen Klavier spürt der Spieler nämlich einen deutlichen Widerstand, wenn er die Tasten drückt. Dieser Widerstand hilft beim Lernen, Üben und Spielen, weil das gezielte Drücken der Tasten weniger zu Fehlern verleitet.

Das Kind sollte deshalb die Möglichkeit haben, auf einem akustischen Klavier zu spielen. Allerdings reicht es aus, wenn das in der Musikschule geschieht und das Kind zu Hause auf einem E-Piano übt. An die Unterschiede wird sich das Kind schnell gewöhnen und problemlos zwischen den Instrumenten wechseln können. Es gibt nämlich einige gute Gründe, die klar für ein digitales Klavier sprechen:

 

Die technischen Möglichkeiten

Ein digitales Klavier ermöglicht dem Kind, verschiedene Klänge auszuprobieren. So kann es vom Konzertflügel zur Orgel und danach zum Cembalo wechseln. Diese Vielfalt fördert die Kreativität und lädt dazu ein, buchstäblich auf und mit dem Instrument zu spielen. Das kann sich dann auch positiv auf die Motivation, zu üben, auswirken.

Die Eltern wiederum werden mitunter zu schätzen wissen, dass ein digitales Klavier über einen Ausgang für Kopfhörer verfügt. Setzt das Kind die Kopfhörer auf, kann es sich völlig frei und ungestört auf den Tasten austoben, ohne dass die Eltern, die Geschwister und die Nachbarn etwas von dem nicht immer schönen Geklimper mitbekommen.

 

Die Kosten

Die Preise für ein akustisches Klavier fangen bei rund 1.500 Euro an und gehen bis weit in den fünfstelligen Bereich hinein. Im Unterschied dazu ist ein qualitativ gutes E-Piano ab etwa 400 Euro zu haben.

Hinzu kommt, dass die Folgekosten niedriger sind. Wie jedes elektronische Gerät kann natürlich auch ein digitales Klavier irgendwann kaputtgehen und eine Reparatur notwendig machen. Ein akustisches Klavier muss aber mindestens einmal pro Jahr gestimmt werden. Dafür werden im Schnitt 100 Euro fällig. Müssen zusätzlich dazu auch Saiten, Hämmerchen oder andere Teile ersetzt werden, erhöhen sich die Kosten entsprechend.

 

Die praktische Handhabung

Ein E-Piano ist kleiner, kompakter und leichter als ein richtiges Klavier. Deshalb lässt es sich gut bewegen und transportieren. Steht das E-Piano im Kinderzimmer, kann es zum Beispiel an Weihnachten oder an der Geburtstagsfeier in einen anderen Raum gebracht werden. So kann das Kind die Lieder und Ständchen, die die Familie singt, voller Stolz am Klavier begleiten. 

 

Was ist beim Kauf eines Klaviers wichtig?

Ob es ein akustisches oder ein digitales Klavier wird, bleibt letztlich eine Frage des Geschmacks. Sinnvoll ist aber, das Kind in die Entscheidung mit einzubeziehen. Immerhin ist das Kind die Person, die auf dem Klavier spielen wird.

Fällt die Wahl auf ein akustisches Klavier, ist vor allem eine kompetente Beratung wichtig. Es hat schon seinen Grund, dass die Preisspanne bei Klavieren sehr groß ist. Andererseits ist jedes akustische Klavier ein Stück komplexer Handarbeit. Deshalb kann auch ein Piano aus dem unteren Preissegment durchaus mit einem sehr guten Klang überzeugen. Und für ein Kind, das gerade das Klavierspielen lernt, muss es kein Klavier sein, das mehrere tausend Euro kostet. Ein erfahrener Fachverkäufer oder Klavierbauer kann ein solides Einsteiger-Instrument empfehlen.

Bei einem digitalen Klavier sollten die Eltern in erster Linie darauf achten, dass die Tasten einen Widerstand haben. Optimal ist eine Hammermechanik, denn dadurch ist das Spielgefühl authentischer. Lassen sich die Tasten ohne jeglichen Widerstand drücken, wird das Spielen letztlich schwieriger, weil das Gefühl für den nötigen Druck fehlt.


Sinnvoll ist außerdem, ein Modell zu wählen, das als Zubehör nicht viel mehr als ein Sustain-Pedal, einen Hocker und Kopfhörer braucht. Ein E-Piano mit Verstärker und zusätzlichen Lautsprechern sorgt zwar für einen tollen Klang. Anders als auf einer Konzertbühne ist das im Kinder- oder Wohnzimmer aber nicht notwendig.

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